Europäischer Arbeitsmarkt 2026: Wo fehlen die meisten Arbeitskräfte?
Fast überall in Europa werden Leute gesucht, aber nicht überall und nicht in jedem Beruf gleich stark. Der Bericht der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA) und von EURES, erschienen im Juni 2026, zeigt genau, wo die größten Lücken sind. Wenn du als Arbeitskraft mobil bist, kannst du daraus viel für deinen nächsten Schritt lernen.
Was misst der Bericht?
Die ELA (European Labour Authority) ist eine EU-Agentur, und EURES ist das Netzwerk der europäischen Arbeitsvermittlungen. Ihr Bericht mit den Daten von 2025 ist am 11. Juni 2026 erschienen. Die Länder haben gemeldet, in welchen Berufen sie einen Mangel sehen und in welchen es zu viele Bewerber gibt.
Die wichtigsten Zahlen:
- Insgesamt gab es 2 617 Meldungen über Mangel.
- In 421 von 436 untersuchten Berufen gibt es in mindestens einem Land einen Mangel, das sind etwa 97%.
Das zeigt: Der Arbeitskräftemangel ist nicht das Problem von ein, zwei Branchen, sondern von fast der ganzen europäischen Wirtschaft.
Wo ist der Mangel am größten?
Die meisten Mangelberufe haben diese fünf Länder gemeldet:
- Italien: 253
- Niederlande: 195
- Bulgarien: 193
- Belgien: 184
- Rumänien: 170
Interessant ist, dass auf der Liste Länder aus Ost und West stehen. Den Mangel gibt es also nicht nur dort, wo die Löhne hoch sind.
Die besondere Lage der Niederlande
Die Niederlande sind nicht nur Zweiter bei der Zahl der Mangelberufe. Sie fallen auch auf, weil es nur in sehr wenigen Berufen zu viele Bewerber gibt: Gemeldet wurden nur 8 solche Berufe. Auch die Arbeitslosigkeit ist niedriger als in den anderen Ländern der Top 5.
Die niederländischen Daten bestätigen das. Laut dem Indikator der UWV (niederländische Arbeitsagentur) für das erste Quartal 2026 ist der Markt in 87 von 93 Berufsgruppen angespannt oder sehr angespannt. Am größten ist der Mangel in technischen Berufen und im Gesundheitswesen: Elektriker, Maschinenmonteure, Installateure, Fachpflegekräfte, Physiotherapeuten, Betreuungskräfte. Hilfskräfte am Bau und in der Industrie liegen im Mittelfeld.
Wichtig ist auch das ehrliche Bild: Die Anspannung hat seit dem Höhepunkt 2022 nachgelassen. Laut CBS lag die Arbeitslosigkeit im September 2026 bei 4,0% und ist in den letzten drei Monaten um etwa 5 Tausend Personen pro Monat gestiegen. Der Markt kühlt also ab, ist aber immer noch enger als früher.
Welche Berufe werden fast überall gesucht?
Der Bericht zeigt auch, in welchen Berufen die meisten der 28 Länder einen Mangel gemeldet haben:
| Beruf | Zahl der Länder (von 28) |
|---|---|
| Fachärzte | 22 |
| Schweißer und Brennschneider | 22 |
| Gebäudeelektriker | 21 |
| Installateure und Rohrleitungsbauer | 20 |
| Pflegekräfte | 20 |
| Fahrer schwerer Lkw (Lkw-Fahrer) | 19 |
Eines ist klar: Handwerkliche Facharbeit ist in Europa sehr wertvoll. Einen guten Schweißer, Elektriker oder Lkw-Fahrer sucht fast jedes Land. Diese Berufe kann man außerdem „mitnehmen“: Dein Können hängt weniger von der Sprache oder dem System eines Landes ab als zum Beispiel bei einer Büroarbeit.
Wo gibt es zu viele Bewerber?
Der Bericht nennt auch die Berufe, in denen es mehr Bewerber als Stellen gibt:
- Grafiker und Multimedia-Designer: in 19 Ländern zu viele Bewerber.
- Reinigungskräfte und Hilfskräfte in Büros und Hotels: in 16 Ländern.
- Allgemeine Bürokräfte: in 15 Ländern.
Wenn du als Reinigungskraft oder Hilfskraft im Hotel Arbeit suchst, heißt das nicht, dass es keine Chancen gibt. Es heißt aber, dass die Konkurrenz größer ist und es schwerer ist, bessere Bedingungen auszuhandeln. Überleg, mit welcher Ausbildung du in einen gefragteren Bereich wechseln könntest.
Wie liest du diese Zahlen?
Eine Meldung über Mangel ist kein konkretes Jobangebot. Sie zeigt, dass es in einem Land schwer ist, für diesen Beruf Leute zu finden. Sie sagt aber nicht, wie viel bezahlt wird, zu welchen Bedingungen und in welcher Region.
Wichtig ist auch: Der Mangel ist ein Landesdurchschnitt. In einem Land kann es Regionen mit viel Arbeit geben und Regionen mit wenig. Umgekehrt gilt das auch: Auch in einem Beruf mit zu vielen Bewerbern kann es gute Angebote geben, nur bewerben sich mehr Leute darauf.
Nutze den Bericht deshalb als Kompass, nicht als Landkarte. Er zeigt dir, in welche Richtung du schauen kannst. Aber bevor du entscheidest, schau dir immer die konkrete Anzeige, den Lohn, die Unterkunft und den Vertrag an.
Was bedeutet das für mobile Arbeitskräfte?
Ein paar praktische Schlüsse:
- Der Beruf zählt mehr als das Land. Wenn du einen Mangelberuf hast, kannst du zwischen mehreren Ländern wählen. Das gibt dir eine stärkere Position beim Verhandeln.
- Es lohnt sich, Papiere zu machen. Schweißerprüfung, Staplerschein oder Kranschein, Lkw-Führerschein: Das zählt viel, auch neben Sprachkenntnissen.
- Mangel heißt nicht hoher Lohn. Bulgarien und Rumänien sind in den Top 5, haben aber trotzdem mit die niedrigsten Mindestlöhne der EU: Im Januar 2026 lag der monatliche Brutto-Mindestlohn in Bulgarien bei etwa 620 Euro, in Rumänien bei 795 Euro. Vergleiche immer den Nettolohn und die Lebenshaltungskosten.
- Denk auch an Unterkunft und Fahrten. Ein besserer Stundenlohn ist schnell weg, wenn das Wohnen teuer ist oder du viel pendeln musst.
- Verfolge die Trends. Der niederländische Markt kühlt langsam ab, aber laut UWV ist der Mangel in technischen Berufen weiter am größten. Die Nachfrage nach einem Beruf kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Schau also ab und zu auf die neuesten Daten.
Vor einer persönlichen Entscheidung (Vertrag, Steuer, anderes Land) sprich am besten mit der Agentur, bei Steuerfragen mit der Belastingdienst (niederländisches Finanzamt) und bei Arbeitsfragen mit dem Juridisch Loket oder den Gewerkschaften (FNV, CNV).
Auf Eyesonworks.eu kannst du nach Art der Arbeit, Unterkunft und Netto-Wochenlohn filtern. So siehst du leicht, welche Angebote es in deinem Beruf gibt, und du kommst immer zur Originalanzeige der Agentur.
Kurz zusammengefasst
- Laut dem ELA/EURES-Bericht vom Juni 2026 fehlen in 421 von 436 Berufen in Europa Arbeitskräfte.
- Die meisten Mangelberufe haben Italien, die Niederlande, Bulgarien, Belgien und Rumänien gemeldet.
- In den Niederlanden gibt es nur in 8 Berufen zu viele Bewerber, und die Arbeitslosigkeit ist niedriger als in den anderen Ländern der Top 5.
- Schweißer, Elektriker, Installateure und Lkw-Fahrer werden fast überall gesucht.
- In allgemeiner Büroarbeit, Grafik und Reinigung gibt es mehr Bewerber: Dort ist die Konkurrenz größer.
Quellen (4)
Zahlen geprüft am 2026-10-23. Regeln ändern sich; Details bei der Agentur oder Behörde prüfen.