Die ersten Wochen in den Niederlanden – Checkliste nach der Ankunft
Die ersten Wochen in den Niederlanden sind immer voll: neue Arbeit, neue Unterkunft, neue Sprache und ein Haufen Papierkram. Wenn du weißt, was kommt, gehst du viel ruhiger durch diese Zeit. Diese Checkliste hilft dir, dass nichts Wichtiges vergessen wird.
1. BSN: RNI oder BRP?
Die BSN (burgerservicenummer, niederländische Bürgernummer) ist die wichtigste Nummer, die du in den Niederlanden bekommst. Du brauchst sie für die Arbeit, die Steuer, die Krankenversicherung, Zuschüsse und auch für DigiD. Ohne sie läuft fast nichts.
Du bekommst sie auf zwei Wegen, je nachdem, wie lange du bleibst:
| Wenn du... | Hier meldest du dich an | Wo |
|---|---|---|
| kürzer als 4 Monate bleibst | RNI (Registratie Niet-Ingezetenen, Register für Menschen ohne Wohnsitz) | am Schalter einer der 19 RNI-Gemeinden |
| länger als 4 Monate bleibst | BRP (Register der Einwohner) | bei der Gemeinde (gemeente), in der du wohnst |
In beiden Fällen bekommst du eine BSN. Viele Agenturen helfen bei der Terminbuchung. Frag schon vor der Ankunft danach. Nimm deinen gültigen Personalausweis oder Reisepass mit und die genaue Adresse der Unterkunft.
Wenn sich später herausstellt, dass du länger bleibst als geplant, informier dich, ob du dich in der BRP anmelden musst.
2. DigiD
DigiD ist die niederländische digitale Kennung: Damit loggst du dich bei Behörden online ein, zum Beispiel bei der Belastingdienst (Finanzamt) oder der Dienst Toeslagen (Zuschüsse). Ohne BSN kannst du sie nicht beantragen.
Tipps:
- Der Aktivierungscode kommt per Post. Gib also eine Adresse an, an der du deine Briefe sicher bekommst.
- Lad die DigiD-App auf dein Handy, dann ist das Einloggen einfacher.
- Gib deine DigiD niemandem, auch nicht als Gefallen. Sie ist wie eine Unterschrift.
3. Bankkonto
Deinen Lohn bekommst du auf ein Bankkonto. Frag die Agentur, ob sie dein EU-Konto von zu Hause akzeptiert oder ob du ein niederländisches Konto brauchst. Auf längere Sicht eröffnen viele ein niederländisches Konto, weil Zahlungen vor Ort, die Miete und offizielle Überweisungen so einfacher sind.
Bevor du deine Kontonummer (IBAN) angibst, prüf sie zweimal. Ein Tippfehler kann die Zahlung um Wochen verzögern.
4. Versicherung
Die Krankenversicherung (zorgverzekering) ist Pflicht, wenn du in den Niederlanden wohnst oder hier arbeitest und Steuern zahlst. Die Durchschnittsprämie 2026 liegt bei 1 884 Euro pro Jahr, etwa 157 Euro pro Monat, und es gibt einen Eigenanteil von 385 Euro pro Jahr (eigen risico).
Prüf:
- Ob die Agentur eine Gruppenversicherung abschließt und wie viel sie dafür abzieht.
- Ab wann deine Versicherung gilt. Es darf keine Lücke geben.
- Ob du eine Versicherungskarte oder eine Policennummer (polisnummer) bekommen hast.
Viele schließen auch eine Haftpflichtversicherung (aansprakelijkheidsverzekering) ab, zum Beispiel für den Fall, dass du aus Versehen jemandem einen Schaden machst. Das ist keine Pflicht, aber eine Überlegung wert.
5. Fahrrad
In den Niederlanden ist das Fahrrad das wichtigste Verkehrsmittel. Frag die Agentur, ob sie ein Fahrrad stellt und zu welchen Bedingungen: kostenlos, gegen Miete oder mit Kaution.
Darauf solltest du achten:
- Funktionierendes Licht vorne und hinten: Im Dunkeln, im Herbst und im Winter ist das besonders wichtig.
- Ein gutes Schloss, am besten zwei. Fahrraddiebstahl kommt leider vor.
- Lern die Regeln vor Ort: Radweg, Vorfahrt, Handzeichen.
6. Handy
Deine EU-SIM-Karte von zu Hause funktioniert hier wahrscheinlich auch. Für längere Zeit holen sich aber viele eine niederländische Nummer. Die ist praktisch für den Kontakt mit der Agentur, dem Hausarzt und den Behörden.
Speicher in deinem Handy: die Kontaktperson der Agentur, die verantwortliche Person der Unterkunft, den Hausarzt (huisarts) und den nächsten hausärztlichen Notdienst (huisartsenpost).
7. Unterkunft
Wenn die Agentur eine Unterkunft stellt, schau sie dir in den ersten Tagen genau an:
- Hast du einen eigenen, schriftlichen Mietvertrag bekommen? Der Mietvertrag darf nicht Teil des Arbeitsvertrags sein.
- Ist die Unterkunft zertifiziert, zum Beispiel mit SNF-Zertifikat? Der Arbeitgeber darf nur bei einer zertifizierten Unterkunft etwas vom Mindestlohn abziehen, höchstens 25%. Beim Mindestlohn vom Juli 2026 sind das etwa 584 Euro pro Monat.
- Wie hoch ist der Abzug, und wie steht er auf der loonstrook (Lohnabrechnung)?
- Was passiert mit der Unterkunft, wenn die Arbeit endet? Arbeitsmigranten haben oft keinen Mieterschutz, und oft endet die Unterkunft zusammen mit der Arbeit.
Mach beim Einzug Fotos vom Zimmer, von den Möbeln und von eventuellen Schäden. So kannst du später leichter beweisen, was schon da war.
Wenn du Schimmel an der Wand oder um das Fenster siehst, fotografier auch das und melde es schriftlich. Später gibt es oft Streit darüber, ob der Schimmel ein Fehler des Hauses ist oder vom Wohnen kommt. Mehr dazu liest du im niederländischsprachigen Artikel von eyesonrooms.
8. Arbeitskleidung und Ausrüstung
An vielen Arbeitsplätzen brauchst du Sicherheitsschuhe, eine Warnweste, Handschuhe oder andere Schutzausrüstung. Wer das stellt und ob du dafür zahlen musst, ist überall anders. Frag noch vor der ersten Schicht, damit du nicht am ersten Tag merkst, dass sie dich nicht reinlassen.
Wenn du Stapler fährst oder andere Maschinen bedienst, bring auch deine Führerscheine und Zertifikate mit.
9. Wichtige Nummern
Schreib sie an einer Stelle auf, auch auf Papier:
- 112: bei Lebensgefahr.
- BSN: deine Bürgernummer.
- IBAN: deine Kontonummer, auf die der Lohn kommt.
- Polisnummer: die Nummer deiner Krankenversicherung.
- Die Telefonnummer der Agentur und der Name deiner Kontaktperson.
- Die Nummer deines Personalausweises oder Reisepasses, falls das Dokument verloren geht.
Schau bei der ersten Zahlung die loonstrook durch: Stimmen die Stunden, die Zuschläge und die Abzüge? Wenn etwas unklar ist, frag bei der Agentur nach. Bei persönlichen Rechts- oder Steuerfragen helfen das Juridisch Loket, die Belastingdienst oder die Gewerkschaften (FNV, CNV).
Wenn du noch deine nächste Arbeit suchst, kannst du auf Eyesonworks.eu nach Unterkunft, Netto-Wochenlohn und Art der Arbeit filtern. Du kommst immer zur Originalanzeige der Agentur.
Kurz zusammengefasst
- Kümmere dich zuerst um die BSN: bei weniger als 4 Monaten Aufenthalt RNI, bei längerem BRP.
- Beantrage nach der BSN eine DigiD und achte darauf, dass du die Post bekommst.
- Prüf Bankkonto, Versicherung und den Mietvertrag für die Unterkunft.
- Frag vorher nach Fahrrad und Arbeitskleidung.
- Schau die erste loonstrook genau durch und führe eine Liste mit den wichtigen Nummern.
Quellen (5)
Zahlen geprüft am 2026-10-23. Regeln ändern sich; Details bei der Agentur oder Behörde prüfen.